Zu schade zum Wegwerfen

Zu schade zum Wegwerfen

Sie gehen spazieren, kommen an schönen Parkanlagen, Vorgärten und Feldern vorbei. Sie sehen hier und dort einen Obstbaum stehen mit reifen Früchten daran. Mehr als genug Früchte hängen daran, da wird man ja wohl mal einen Apfel, eine Kirsche oder Birne von nehmen und unterwegs essen dürfen? Leider nein, denn das Pflücken und Ernten von Gemüse, Obst und Früchten, die auf fremden Grundstücken stehen, gelten in Deutschland als Mundraub. Ja sogar das Herausnehmen gerade abgelaufener Lebensmittel aus der Mülltonne eines Supermarktes gilt als Diebstahl. Noch vor kurzem hat das Bundesverfassungsgericht bestätigt, dass Waren, auch wenn Sie keinen Wert mehr haben, dem Eigentümer gehören und nicht entwendet werden dürfen; nicht einmal aus einer Mülltonne...

Dieses Urteil schaut aber nur auf die juristischen Fakten und bewertet natürlich nicht die Sinnhaftigkeit des Gesetzes. Die Richter verwiesen daher auf den Gesetzgeber diese Gesetze entsprechend zu ändern; eine Pflicht zur Änderung bestehe hingegen nicht.
Immerhin gibt es jetzt an der Front der Obstbäume gute Nachrichten: "Wer im Landkreis Esslingen legal Obst ernten will, muss nur nach Bäumen mit gelben Bändern Ausschau halten. Dort können seit 2019 Grundstücksbesitzer gelbe Bänder an ihre Bäume anbinden, deren Obst sie nicht selbst abernten. Die Früchte dieser Bäume sind dann für alle frei. Dadurch soll verhindert werden, dass Obst ungenutzt verfault. Der Landkreis hat dafür sogar den Bundespreis ‘Zu gut für die Tonne’ bekommen. An anderen Orten, wie zum Beispiel in Niedersachsen, greift man die Idee nun ebenfalls auf." (Quelle: ZDFwiso)

Meine Heimatstadt Tönisvorst trägt den Beinamen "Die Apfelstadt am Niederrhein", weil hier so viele Apfelhöfe sind. In einer neu angelegten Parkanlage wurden darum jetzt einige Apfelbäume gepflanzt, die von den den Passanten abgeerntet werden dürfen. Das Angebot wird auch gut genutzt; von Mensch und Tier :-)
Erlaubt ist das Pflücken und Ernten von Bäumen und Sträuchern aber immerhin grundsätzlich in der Wildnis, außerhalb von Naturschutzgebieten. Auf der Seite mundraub.org werden solche Gebiete gesammelt und aufgeführt.