Wie ein Blinder von der Farbe...

Wie ein Blinder von der Farbe...

... rede ich, wenn ich über Blindheit spreche. Eine Erfahrung, die am Nächsten an die eines wirklich blinden Menschen heranreicht war, als mir einmal die Augen verbunden wurden und ich mich an einem Seil entlang einem Hindernisparcours stellen musste. Dabei konnte ich mir aber noch nicht vorstellen, wie es ist, sein ganzes Leben ohne Augenlicht zu sein, die Probleme, die es im Alltag macht oder die sozialen Hürden, die einem dadurch begegnen. Spätestens seit der weit verbreiteten Maskenpflicht merke ich, wie wichtig das Sehen von Bewegung und Mimik des Gegenübers beim Gespräch ist. Gleiches gilt für den Alltag: Fernsehen, Kino, Verkehr, Bewegung im Freien, Malen, Bücher uvm... Das alles ist bei Blindheit, wenn überhaupt, nur mit Einschränkungen möglich.

Für sehr vieles gibt es bereits gute Alternativen, denn einiges kann über das Hörvermögen wieder ausgeglichen werden, doch anderes muss noch entwickelt werden. Das Royal National Institute of Blind People in Großbritannien hat vor wenigen Tagen den ersten Schwangerschaftstest für blinde Menschen vorgestellt, durch den das Ergebnis erfühlt werden kann. Bisher waren blinde Menschen darauf angewiesen, eine sehende Person zu fragen, um einen herkömmlichen Schwangerschaftstest abzulesen. Der vorgestellte Prototyp soll bald in Massen verfügbar werden.

Es gibt noch einiges zu tun in Sachen Barrierefreiheit. Das Beste sind immer Produkte, die nicht nur ein Sinnesorgan ansprechen, sondern gleich mehrere: Also beispielsweise ein Schwangerschaftstest, der neben optischem, auch ein akustisches und haptisches Ergebnis ausgibt. Oder Rolltreppen mit breiten Flächen, sodass auch Rollstühle darauf passen. Schön wäre es, wenn barrierefreie Lösungen keine Sonderwege mehr sind, die den behinderten Menschen in irgendeiner Weise hervorheben, sondern gleichermaßen von allen Menschen benutzt werden können. In Aachen gibt es beispielsweise eine Treppe, die auch von Rollstuhlfahrer*innen befahren werden kann, ohne eine extra Rampe zu benötigen: Die Treppenstufen selbst dienen nämlich als Rampe, indem sie möglichst breit und etwas schräg angeordnet sind.
Es gibt sie also schon: Die kleinen Veränderungen, die das Leben für alle ein bisschen benutzerfreundlicher machen; und es werden immer mehr :-)