Vererbte Schuld

Vererbte Schuld

Sind Schulden vererbbar? Damit meine ich nicht nur finanzielle Schulden, deren Erbe man in Deutschland auch ausschlagen kann, sondern auch moralische Schuld: Bin ich für die Taten meiner Eltern als Erbe mit verantwortlich? In der westlichen Kulturgeschichte wurde diese Frage unterschiedlich beantwortet: Mal wurde das so gehandhabt, mal nicht. Aktuell würden wir diese Frage wohl eher verneinen, aber ganz von der Hand zu weisen ist es nicht, denn wenn sich meine Eltern in einer Gegend einen sehr schlechten Ruf erarbeitet haben, färbt dieser Ruf als Familienangehörige:r aus Sicht der Nachbar:innen auch auf mich zurück.

Es ist eine komplizierte Sache mit der geerbten Schuld: Die 1949 gegründete Bundesrepublik Deutschland wird beispielsweise immer noch für Taten aus der Zeit des Nationalsozialismus und des Kaiserreiches zur Verantwortung gezogen. Aber ich glaube, genau das ist der Unterschied: Obwohl wir keine Schuld im moralischen Sinne an den Taten unserer Vorfahren haben, so haben wir doch eine Verantwortung dafür zu Sorgen, dass der angerichteter Schaden nicht noch größer, ja sogar möglichst wieder kleiner wird.
Diese Verantwortung stellt sich Deutschland heute, indem es auf unterschiedlichsten Wegen die Schrecken der NS-Zeit wach hält und dafür sorgt, dass solche Kräfte nicht wieder an die Macht kommen können.
Und nun zur eigentlichen guten Nachricht des Tages: Während der Kolonialzeit wurden vom Deutschen Kaiserreich, und anderen europäischen Staaten, zahlreiche Kunstschätze aus Afrika geraubt. Ein ganz wichtiger Schatz, nämlich die als Raubgut eingestuften Benin-Bronzen, sollen nun wieder an Nigeria zurückgegeben werden. Dies sei eine "wichtige Wegmarke für Verständigung und Versöhnung", so Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Die Sammlung der Benin-Bronzen umfasst über 400 Exponate aus dem 16. bis 18. Jahrhundert.

Je schwerer die Verbrechen, umso langwieriger und schwieriger ist die Aufarbeitung und die Versöhnung. Das gilt für die Folgen des Nationalsozialismus ebenso, wie für die der Kolonialzeit und davor. Unrecht an Mitmenschen hat es schon immer gegeben, überall auf der Welt, selbst innerhalb von Staaten und Religionsgemeinschaften. Menschen machen Fehler, das ist leider so.
Solange es aber Menschen gibt, die diese Fehler sehen und wieder gutzumachen versuchen, selbst wenn sie selbst nicht die Verursacher sind, ist Friede und Versöhnung ganz nah! Diese Menschen sorgen dafür, dass die Wunden des Unrechts wieder heilen können, obwohl sie selbst keine Schuld daran tragen. Die Schuld am Unrecht anderer können wir nicht erben, aber die Verantwortung die Welt zu einem gerechteren Ort zu machen, haben wir alle! :-)