Ruf der Freiheit

Ruf der Freiheit

Der Drang auszubrechen, Grenzen zu überwinden und die Freiheit zu haben, tun zu können, was man für richtig hält, ist tief in uns Menschen verankert. Es gibt wohl kaum jemanden, der/ die eine Gefangenschaft der Freiheit vorziehen würde. Und doch kann Freiheit auch überfordernd sein: Grenzenlose Möglichkeiten, bedeutet auch grenzenloser Entscheidungszwang. Ständig werde ich gefordert die richtige Entscheidung zu treffen, ohne jetzt schon wissen zu können, was die beste Entscheidung ist.

Vor einer ähnlichen Situation stand wohl auch der Seeadler Grobi, als er letzten Monat von Remscheid aufgebrochen ist und nach über 800km Flug total erschöpft in einem ungarischen Nationalpark landete. Völlig erschlagen von den Anstrengungen des Fluges, fanden ihn Mitarbeiter des Nationalparks und brachten das erschöpfte Tier zum Aufpäppeln in den Budapester Zoo. In einigen Tagen soll Grobi dann wieder zurück nach Remscheid geschickt werden. Seeadler galten in NRW lange Zeit als ausgestorben, bis vor wenigen Jahren die ersten Seeadler wieder am Niederrhein brüteten.

Absolute Freiheit ist nicht für jeden was, auch wenn uns die Gesellschaft das oft als den heiligen Grahl einer glücklichen Lebensführung verkaufen mag. Der Mensch mag Grenzen: Er braucht einen Bereich, den er einsehen und in dem er sich von anderen abgrenzen und sicher fühlen kann. Darum wird von vielen der Ruf nach mehr Grenzkontrollen und Zäunen immer größer. Auch extreme Religionsgemeinschaften bekommen Zulauf, weil sie statt der Wahlfreiheit genau vorgeben, was richtig und was falsch bzw. was gut und was schlecht ist. Aber Corona hat uns auch die Schattenseiten dieser Rufe offengelegt: Jetzt sehnt man sich die alte (Bewegungs)Freiheit und offene Grenzen wieder zurück. Der Mensch ist eben ein kompliziertes Wesen, dem man es wohl nie so richtig recht machen kann. Oder anders gesagt: Jeder Mensch tickt anders :-)