Lernen in Gottes Wohnzimmer

Als Kind habe ich mir Kirchen immer als "Wohnzimmer Gottes" vorgestellt; unter einem Tempel konnte ich mir noch nicht so richtig was vorstellen, aber ein Wohnzimmer kannte ich: Ein Ort wo man sich trifft, der mit allerlei schicken Dekoartikeln ausgestattet ist und Heimat für denjenigen Bedeutet, der da wohnt. Weil Gott eben so groß ist, hat er ein sehr großes Wohnzimmer, soweit meine Kinder-Logik.
Tatsächlich waren Kirchen in der Vergangenheit nicht immer nur Tempel zum Feiern von Gottesdiensten gewesen, sondern auch Orte für Kultur, Musik, Begegnung und Theater. In Krisenzeiten wurden Kirchengebäude oft auch als Notfallunterkünfte, Hilfslazarette oder Obdachlosenunterkünfte genutzt.

Aktuell befinden wir uns wieder in einer Krisenzeit. Zwar trifft uns die Pandemie nicht so heftig wie ein Weltkrieg, aber bestimmte Bereich trifft es schon hart: Studenten beispielsweise profitieren sehr von Co-Working Places, also Orten, an denen sie mit ihren Kommilitonen zusammen lernen und sich austauschen können. Das ist unter Corona-Bedingungen sehr schwierig geworden, weil die meisten Räume an den Unis dafür schlicht zu klein geworden sind. Die Universität Wien hat deshalb die große Wiener Votivkirche von Montag bis Freitag in der Zeit von 9:00 Uhr bis 18:00 Uhr angemietet. Zu diesem Zweck wurden extra Wärmestrahler, Steckdosen und WLAN in der Kirche eingerichtet.

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Lernen in einer besonderen Atmosphäre; im Wohnzimmer Gottes. Das ist mal wirklich etwas anderes! Im Grunde ist es eine Win-Win-Situation. Die Kirche ist wieder gefüllt mit jungen Menschen und wird von ihren Besucher*innen auch noch als sinnvoll erlebt. Die Studierenden haben einen (besonderen) Ort, wo sie gemeinsam lernen und arbeiten können. Nebenbei erfahren sie noch ein Stück Kulturgeschichte und nehmen vielleicht auch etwas von der besonderen Atmosphäre für sich selbst mit. Für das ein oder andere Stoßgebet vor der Prüfung ist die Kirche jedenfalls ein sehr geeigneter Ort :-)