Laufen... um Gottes Willen!

Armut ist in den Köpfen vieler Menschen nur sehr abstrakt vorhanden: Wir wissen zwar, dass es sie gibt, wir wissen auch wie sie sich bemerkbar macht und vielleicht auch welche Ursachen es dafür gibt, aber Armut konkret erfahren tun nur wenige. Wie fühlt sich Armut an? Was heißt es nicht genug Geld für das Nötigste zu haben? In fast jeder größeren Stadt gibt es Viertel mit einem hohen Armutsanteil; in einigen Städten wie Duisburg oder Krefeld sind solche Viertel prozentual gesehen sogar etwas größer. Eines dieser Viertel ist Duisburg-Neumühl im Norden der Industriestadt, wo schmutzige, graue Fassaden das Straßenbild prägen. Ja, selbst die Kirche dieses Stadtteils, wo mittlerweile fast jedes zweite Kind von Armut bedroht ist, ist in keinem guten Zustand.

Der Pämonstratenser-Pater Tobias, der direkt neben der Kirche in Neumühl sein Büro hat, will die Lebenssituation in seinem Viertel verbessern und zwar mit dem, was er am Besten kann: Der 57-Jährige Mönch ist nämlich leidenschaftlicher Marathonläufer. Er absolvierte bereits 111 Langlauf-Wettbewerbe und mit jedem sammelt er Spenden für sein Projekt "Lebens-Wert". Zu diesem Projekt gehören neben einem Sozialcafé auch eine Beratungsstelle für Flüchtlinge und sozial Benachteiligte, ebenso wie ein syrisch-deutsches Restaurant und ein Kinderhilfswerk mit 19 Mitarbeiter:innen. Das Hilfswerk bietet kostenlose Kochkurse für eine günstige und gesunde Ernährung an und auch Schwimmkurse und Behandlungskosten für Kinder mit finanzieller Benachteiligung werden übernommen. Außerdem organisiert das Sozialprojekt Kleiderspenden, Weihnachtswichtelaktionen und wöchentliche Frühstücksaktionen an den Grundschulen des Viertels.
Seit 2006 macht Pater Tobias das schon und konnte auf diese Weise rund 1,5 Millionen Euro an Spendengeldern erlaufen. Sein persönliches Highlight bisher war ein 172-Kilometer-Lauf durch die Wüste des Oman, der auch durch die absolute Dunkelheit der Wüstennacht führte. Einzig Scheinwerfer wiesen alle 2km die Richtung. In dieser abgeschiedenen, isolierten Situation fühlte sich Pater Tobias Gott besonders nahe.
Für 2023 plant er den nächsten Höhepunkt seines Hobbys: Mehre Kilometer durch die Eiseskälte der Antarktis laufen, um Geld für die Renovierung der heruntergekommenen Kirchenfassade zu sammeln, damit durch sie das Zentrum ihres Stadtteils wieder strahlen kann.
Ein ausführliches Interview mit ihm gibt's auf YouTube:

Die Kirche als Zentrum und Träger der Hoffnung an einem Ort, wo alles aussichtslos scheint und auch die öffentlichen Mittel vorne und hinten nicht ausreichen, um die Not aufzuhalten; das ist Kirche, wie ich sie verstehe! Die Kirche allein wäre aber nichts ohne Menschen wie Tobias, die sich in deren Auftrag den Menschen widmen und ihre Möglichkeiten ausschöpfen, um die Not vor Ort so gut es geht zu lindern. Kirche, Staat und alle freiwilligen Helfer:innen gehen Hand und Hand um dieses Viertel zu einer guten Heimat für viele gute Menschen zu machen. In so einer Kirche arbeite ich gerne! :-)