Gut, besser, Liebe

Gut, besser, Liebe

Eine der wohl häufigsten Frage, die mir in meinem Beruf als Theologe und Seelsorger begegnet ist die Frage nach dem "Warum?". Ganz besonders wenn es um Tod, Trauer und Leid geht wird mir die Frage gestellt: "Wenn es einen Gott gibt, warum hat er das dann zugelassen?"
Im Laufe meines Studiums habe ich für mich eine Antwort auf diese Frage gefunden. Kurzgesagt: Weil Gott die Liebe ist liebt er uns Menschen. Weil er uns liebt möchte er, dass auch wir ihn zurücklieben. Damit wir überhaupt in der Lage sind selbst zu lieben, musste er uns die Freiheit schenken selbst zu wählen (Liebe geht nur freiwillig, nicht aus Zwang). Weil wir in einer freien Welt als freie Menschen leben, können uns sowohl gute, als auch negative Dinge passieren. Damit wir nicht ewig in diesem Schwebezustand bleiben müssen, gibt es den Tod, der uns mit Gott verbindet und damit die Liebe zu ihm, für die wir uns zu Lebzeiten entschieden haben, einlöst. (Wer es etwas ausführlicher haben möchte, kann mich gerne anschreiben!)
Für mich ist also nicht Gott für das Leid auf der Erde verantwortlich, sondern das Leid ist eine notwendige Konsequenz unserer Freiheit. Weil Gott uns aber immer liebt, lässt er uns im Leid nicht alleine, sondern reicht uns seine Hand. Gott wirkt dabei aber nicht wie ein Magier in unserer Welt (weil er damit auch in unsere Freiheit eingreifen würde), sondern durch Menschen, die sich auf ihn einlassen und dementsprechend handeln.

Menschen, die sich ganz freiwillig dazu entschieden hat, so zu handeln, wie Gott es tun würde, gibt es einige. Manche davon kennen wir Katholiken als Heilige, andere bleiben ihr Leben lang unentdeckt.
Ein gutes Beispiel für solche Menschen in unserer Zeit sind die Kolleg:innen einer Mutter aus Bayern, deren 4-Jährige Tochter Fiona an Leukämie erkrankt ist. Insgesamt 429 Kolleg:innen spendeten ihre Überstunden und Urlaubstage, damit die Mutter insgesamt 4 Jahre und 6 Monate ohne Lohneinbußen für ihre Tochter da sein kann.

Liebe ist eine göttliche Kraft, die Menschen hilft Grenzen zu überwinden und unmenschliches für andere zu leisten. Liebe kann selbst den Tod überwinden, denn wo alles mit dem Tod vergeht, bleibt meine Liebe zu einem Menschen auch nach dem Tod bestehen. Die 429 Kolleg:innen haben mit ihrem Verzicht auf Urlaub der Liebe zwischen einer Mutter und ihrer Tochter den Weg geebnet. Eine Liebe, die nur positiv für den Heilungsprozess sein kann. Medienberichten zufolge scheint Fiona nach mehreren Chemotherapieblöcken doch tatsächlich wieder krebsfrei zu sein. Selten habe ich so eine rührende Nachricht gefunden :-)