Grenzüberschreitende Emanzipation

Nicht überall auf der Welt ist das Thema Gleichberechtigung so weit, wie in Deutschland, Westeuropa oder den USA. In den meisten Ländern dieser Erde werden Frauen immer noch systematisch diskriminiert, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch. Ein Grund übrigens, warum sich auch der Vatikan, als Oberhaupt einer Weltkirche, so schwer damit tut, seine jahrhundertealte Tradition zu ändern, auch Frauen zum Priesteramt zuzulassen... Aber das soll heute nicht Thema sein, denn es muss an anderer Stelle diskutiert werden (danke an die Bewegung Maria 2.0, die dieses Thema weiter wach hält!).

Im Jemen beispielsweise sind Frauenrechte alles andere als selbstverständlich, doch eine Initiative der UN gab einer Gruppe engagierter Frauen vor einiger Zeit Startkapital für ein nachhaltiges Projekt der besonderen Art: In der vom Krieg geplagten, islamisch geprägten Region betreibt die 36-Jährige Iman Hadi zusammen mit ihren 9 Mitarbeiterinnen ein Solarkraftwerk. Sie sorgen für die Instandhaltung, überprüfen und warten regelmäßig die technischen Anlagen und kümmern sich um die Buchhaltung. Mittlerweile sind die Frauen dank der Einnahmen aus dem Stromverkauf finanziell unabhängig und können sich sogar noch vergrößern. Ihr Solarkraftwerk ist die einzige Stromquelle in der Gegend und wird mittlerweile auch von den konservativen Anwohnern dankend angenommen: "Wir hatten viele Schwierigkeiten, einschließlich Spott und Ablehnung durch unsere Familien und die Gesellschaft, die glaubten, dass diese Art von Projekt nur etwas für Männer ist", sagt eine der Initiatorinnen, "doch wir haben diese Schwierigkeiten mit Beharrlichkeit bewältigt. Heute hat sich ihr Spott in Wertschätzung und Respekt für Frauen verwandelt."

Ein wunderbares Beispiel dafür, wie Vorurteile und künstliche Schranken im Kopf eingerissen werden können, wenn man einmal mit den Möglichkeiten konfrontiert wird. Ähnlich stelle ich mir die Reaktion in klassisch katholischen Gemeinden vor, wenn auf einmal Frauen hinter dem Altar das Hochamt zelebrieren: Zuerst Spott und dann "Aha!". Es ist nie zu spät, dazu zu lernen :-)