Geteiltes Auto ist halbes Leid

Geteiltes Auto ist halbes Leid

Für die einen ein Statussymbol, für die anderen eine absolute Notwendigkeit, um Einkäufe zu erledigen und zur Arbeit zu kommen: Das Auto. Erstere würden ihr Privatheiligtum niemals weggeben, andere wären froh, wenn sie überhaupt eine motorisierte Fortbewegungsmöglichkeit hätten; wenn auch nur geliehen. Autos sind nach wie vor ein Luxusgut, denn ihre Anschaffung und Unterhaltung kosten eine Menge Geld: Oft vierstellig in der Anschaffung, kommen neben Steuern und Versicherungsgebühren noch Reperatur- und Wartungskosten, TÜV- und Spritkosten dazu. Auch nach über 100 Jahren kann sich noch lange nicht jeder ein eigenes Auto leisten. Doch das muss nicht unbedingt schlecht sein.

Wenn Wohnungen in der Stadt zu knapp und zu teuer sind und man auf dem Land wohnt, ist man auf ein Auto angewiesen. Der Aachener Verein "car4twenty e.V." hat dieses Problem erkannt und kauft deshalb alte Autos auf. Mit Hilfe eines Teams aus Freiwilligen und in Kooperation mit einigen Werkstätten, werden diese Autos wieder auf Vordermann gebracht und anschließend für ein halbes Jahr kostenlos an bedürftige Familien oder Alleinerziehende verliehen. Dies ist zwar keine dauerhafte Lösung, aber es hilft, Zeit zu gewinnen und eine finanziell angespannte Lebensphase zu überbrücken, bis eine dauerhafte Lösung gefunden wurde.

Mich erinnert diese Idee an Carsharing-Konzepte: Man mietet ein Auto stundenweise, je nach Bedarf und teilt sich so die Gesamtkosten mit anderen. Das macht vor allem in Ballungsräumen Sinn, wo gute, öffentliche Verkehrsmittel ein Auto nur selten notwendig machen. Für die alltäglichen Besorgungen reicht oft ein Fahrrad mit Rucksack und Gepäcktaschen, oder ein Lastenrad. Doch je ländlicher man wohnt, umso schwieriger wird es. Gerade dort mangelt es auch an vernünftigen Carsharing-Angeboten. Kurzfristig können da solche schönen gemeinnützigen Initiativen, wie die von "car4twenty e.V." helfen, doch langfristig sollte man über den Ausbau vom öffentlichen Nahverkehr, Fahrradschnellwegen und Car-Sharing-Angeboten auf E-Auto-Basis nachdenken. Das würde dann nicht nur den (finanziell benachteiligten) Menschen zu Gute kommen, sondern auch der Umwelt und damit letztlich allen Menschen.
So lange es geht, möchten meine Frau und ich auf einen Zweitwagen verzichten und dank des coronabedingten Home-Office-Booms sind wir zuversichtlich, dass wir das auch noch viele weitere Jahre schaffen werden. Und wenn alle Stricke reißen, leihen wir uns ein Auto bei Eltern und Bekannten. Teilen hilft, früher wie heute. :-)