Eine kleine Idee ganz groß

Eine kleine Idee ganz groß

Die Geburt eines neuen Menschenlebens ist kein einfaches Unterfangen. Es fängt schon damit an schwanger zu werden, denn so schnell, wie manche Eltern es ihren pubertierenden Kindern oft weiß machen wollen, geht es in der Praxis meist gar nicht. Wenn es dann doch geklappt hat, erwarten die werdende Mutter oft 9 Monate voll Beschwerden unterschiedlichster Art; von Übelkeit und Heißhunger über Schlaflosigkeit und Hitzewallungen bis hin zu häufigen Toilettengängen ist einiges dabei.
Doch dann kommt die schwierigste Phase in der Entstehung: Die Entbindung. Bevor die moderne Medizin im Großteil der Welt Einzug erhalten hat, lag die Säuglings- und Müttersterblichkeit bei der Geburt im zweistelligen prozentualen Bereich. In großen Teilen Afrikas ist das noch heute so, dort fehlt es vor allem an erfahrenen Hebammen, die bei der Entbindung helfen.

Um diesem Problem zu begegnen hat die Action Medeor aus meiner Heimatstadt Tönisvorst seit 2017 ein Ausbildungprogramm in Sierra Leone gestartet, wodurch jetzt 100 neue Hebammen gegen Säuglings- und Müttersterblichkeit im Dienst sind.
Der Action Medeor e.V. ist hauptsächlich als Medikamentenhilfswerk bekannt und schick jährlich mehrere Tonnen dringend benötigter Medikamente an über 10.000 Gesundheitsstationen in 140 Ländern. Im 4.000 m² großen Medikamentenlager in Tönisvorst werden über 200 verschiedene Medikamente und über 400 medizinische Bedarfsartikel bevorratet. Dort stehen auch Notfallpakete bereit, die im Falle einer Katastrophe innerhalb von 24 Stunden in die Krisenregion verschickt werden können.

Als gebürtiger Tönisvorster bin ich natürlich stolz auf dieses Hilfswerk, an dem ich regelmäßig mit dem Fahrrad vorbei fahre, wenn ich zu meinem Bruder fahre. 1964 hat der Arzt Ernst Heinrich Boekels aus dem 5.000 Seelen Dorf Vorst die Idee gehabt, dringend benötigte Medikamente zu sammeln und an Hilfswerke zu schicken. Mittlerweile ist sein Verein zum größten Medikamentenhilfswerk Europas gewachsen. Er selbst verstarb im Mai 2019, aber sein Vermächtnis lebt weiter. Der Gemeinde Vorst, die 1970 in die Stadt Tönisvorst übergegangen war, ist dem Hilfswerk treu geblieben und umgekehrt :-)
Wer etwas mehr über das Leben von Ernst Boekels erfahren möchte, findet einen kleinen aber lesenswerten Lebenslauf auf seiner Wikipediaseite: https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Boekels