Anders aber glücklich

Anders aber glücklich

Es gibt Menschen, denen man schnell ansieht, dass sie optisch von der allgemeinen Norm abweichen. Schnell bekommen sie den Stempel "behindert" und man ist geneigt Mitleid oder sogar Ekel zu empfinden. Das hängt vor allem mit der Form und dem Grad der Behinderung ab und wie viel Berührungspunkte man vorher schon mit behinderten Menschen hatte. So schlimm das im ersten Moment klingt, ist es doch etwas typisch Menschliches: Dinge, die uns fremd sind, betrachten wir mit großer Skepsis, um eventuelle Gefahren auszuschließen, die von ihnen ausgehen. Meine Nichte hat als Kleinkind beispielsweise Angst vor mir gehabt, weil ich eine Brille und einen Bart trage und damit ganz anders aussah, als die Menschen, die sie kannte. Mit der Zeit merkte sie dann, dass ich trotz Bart und Brille doch ein liebenswerter Mensch bin.
Ganz genauso verhält es sich mit Menschen mit einer Behinderung: Auch wenn sie zunächst fremd auf uns wirken, sind es doch ganz liebenswerte Menschen mit ihren ganz eigenen Schwächen, Stärken und Besonderheiten.

Wer das einmal verstanden hat, muss sich nicht mehr ekeln und auch kein Mitleid empfinden, denn auch sie leben ihr Leben ganz selbstverständlich. Mehr noch: Sie meistern ihr Leben trotz der Stolpersteine, die ihnen die Gesellschaft mit ihren Konventionen in den Weg legt. Eine schöne Szene, die das verdeutlicht ist in einem Dönerimbiss passiert. Ich zitiere hier aus einem Bericht, den ich neulich bei Instagram gelesen habe: "Vorhin beim Dönermann: Eine Frau mit Downsyndrom legt ein paar Centstücke auf den Tresen und fragt, was sie dafür bekommt. Der Dönermann: 'Alles, was du haben willst, Prinzessin.'" (Quelle: https://www.instagram.com/p/CO0hvJwiKB1)

Laut einer Befragung von 284 Menschen mit Downsyndrom aus dem Jahr 2011 gaben 99% von ihnen an, dass sie ein glückliches und erfülltes Leben führen. In meiner Zeit als Zivildienstleistender beim Malteser Hilfsdienst habe ich viele Menschen mit unterschiedlichsten Behinderungen morgens zur Arbeit in ein HPZ gefahren und nachmittags wieder zurück. Ich war überrascht, wie sehr sich die meisten, morgens schon auf die Arbeit freuten. Sie leisten, trotz aller Einschränkungen, etwas Produktives und Konstruktives für die Gesellschaft und das erfüllt sie über alle Maße. Auch wenn sie nicht immer alles verstehen, was um sie herum passiert, so fällt es ihnen doch sehr viel leichter in ihrem Leben das Glück zu finden, als so manch anderen Menschen. Das macht für mich deutlich: Nicht andere Entscheiden, ob unser Leben lebenswert ist, sondern wir selbst tun das! Was das angeht, können wir noch sehr viel voneinander lernen :-)